BioThermGel

Biokompatible, thermosensitive Polymere als Glaskörperersatz (BioThermGel)

Partner

  • Fluoron GmbH
  • Dr. Schmidt Intraocularlinsen GmbH
  • GKSS Zentrum für Biomaterialentwicklung

Projektbeschreibung

Die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) gehört inzwischen zu den Standardtechniken vitreoretinaler Operationen. Die Gründe, die zu der Entscheidung führen, den Glaskörper partiell oder vollständig zu entfernen, sind vielfältig. Die häufigsten Ursachen sind systemische Erkrankungen steigender demo¬graphischer Inzidenz wie Diabetes mellitus und Netzhaut-ablösungen.
Gesamtziel des Verbundprojektes ist es, einen Glaskörperersatz auf Polymerbasis zu entwickeln, welcher die vielfältigen Anforderungen, die an ein solches Material gestellt werden, erfüllen kann und idealerweise innerhalb eines definierten Zeitraums vom Körper abgebaut wird.
Eine ideale Glaskörpertamponade muss mehrere Kriterien erfüllen. Hierzu gehören physikalische Eigenschaften (rheologische Eigenschaften des Materials, Dichte), optische Eigenschaften (Brechungsindex, Transmission) sowie grundlegende Eigenschaften wie physiologische Osmolaritäts- und pH-Werte. Zudem muss das Material im Rahmen einer Operation durch sehr kleine Kanülen appliziert werden können, ohne dass sich die Eigenschaften hierdurch verändern.
Alle bisherigen Glaskörperersatzmaterialien sind hydrophob, was weder dem natürlichen Glaskörpermaterial entspricht noch einen optimalen Kontakt zwischen Tamponade und Netzhaut bewirkt. Ferner bewirken bisherige Materialien, welche als Glaskörpertamponade eingesetzt werden, entweder eine sehr kurze Stabilisierung der Netzhaut (Gase) oder müssen in einer zweiten Operation entfernt werden (Silikonöle). Ein Material, welches den Eigenschaften des natürlichen Glaskörpers entspricht, ist bisher nicht verfügbar.
Im Rahmen des Verbundprojektes ist es nun gelungen, ein geeignetes Material auf Basis eines Biopolymers zu entwickeln. Durch die Modifikation von Lösungsmittel und Polymer konnten sowohl die optischen Voraussetzungen als auch die physikalischen Eigenschaften einer Glaskörpertamponade erfüllt werden. Darüber hinaus ist das Material sehr leicht applizierbar. Inzwischen liegen positive Biokompatibilitätsuntersuchungen an Zellkulturen vor, (nach ISO 10993-5), die den Einsatz des Materials in Tierversuchen (Kaninchenmodell) rechtfertigen. Hierbei soll die Verträglichkeit sowie die Funktionalität des Materials über einen Zeitraum von 3 Monaten geprüft werden. Als Untersuchungsmethoden kommen u.a. Fundusskopie, ERG und immunzytochemische Färbungen zum Einsatz. Im Hinblick auf einen möglichen klinischen Einsatz werden auch Untersuchungen zur Thermo- und Photostabilität durchgeführt. Eine weitere Herausforderung, die gemeistert werden muss, ist die Umsetzung vom Labor- in den industriellen Maßstab. Dazu gehört die Herstellung und Abfüllung der Gele, deren Sterilisation sowie die Etablierung eines Verfahrens zur Routinequalitätskontrolle.

Weitere Informationen

Dr. Christian Lingenfelder
Fluoron GmbH
Magirus-Deutz-Str. 10
89077 Ulm

nach oben Aktualisiert am: 4 Oktober 2012.